Lichtverschmutzung

Während unsere Vorfahren vor mehr als 120 Jahren noch einen sehr dunklen Sternenhimmel bewundern konnten, ist dies heute im Zeitalter der Technik und Zivilisation nur noch weit weg von den Städten in einsamen Gegenden möglich.

Grund dafür sind die zahllosen Straßenlaternen, Leuchtreklamen und die stark zunehmenden Anstrahlungen von Gebäuden. Dieses Licht wird in der Luft gestreut und hellt den Himmel derart auf, daß man in der Stadt nur noch die hellsten Sterne sieht. Man bezeichnet diese nächtliche Himmelsaufhellung durch künstliche Lichtquellen als Lichtverschmutzung.

Aber nicht nur in den Städten, sondern auch außerhalb der Städte ist der Himmel heutzutage nachts bereits deutlich aufgehellt. Auffällig sind die Lichtglocken der Städte, die man vom Land aus als pyramidenförmige, gelbliche Aufhellungen in Richtung einer Stadt sieht.


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Diese Aufnahme ist zwischen Gettorf und Kiel entstanden mit Blick Richtung Kiel
Die Lichtglocke von Kiel erhellt den gesamten Südhimmel
© Stefan Schalk


Durch die heutige LED-Technik, die weniger Energie verbraucht und der Irrglaube, daß dauerhaft mehr Licht mehr Sicherheit bringt, wird dieser Wahn immer weiter verstärkt. Durch die vielen hellen Lichtquellen, die das Licht in alle Richtungen abstrahlen, wird das Auge nur geblendet und es kann sich gar nicht mehr vollständig an die Dunkelheit anpassen.

Die heutige Lichtverschmutzung hat dazu geführt, daß wir immer weniger einen prächtigen Sternenhimmel erleben können. Wer soll auch von einem Sternenhimmel fasziniert sein, der nur noch aus ein paar schwachen kümmerlichen Lichtpunkten besteht?

Auch das Band der Milchstraße kann man heutzutage in Stadtnähe kaum noch sehen, ja viele kennen es überhaupt nicht mehr. Nur draußen auf dem Lande, weit weg von jeder Stadt mit ihren künstlichen Lichtquellen, kann man in einer mondlosen klaren Nacht noch einen prächtigen Sternenhimmel erleben und das schimmernde Band der Milchstraße bewundern.

Zur Veranschaulichung werden hier drei Grafiken gezeigt, die das eindrucksvoll zeigen. Die erste Grafik zeigt den Sternenhimmel an einem Abend Anfang Oktober, wie man ihn im Zentrum einer Stadt sieht. Der Himmel ist sehr stark aufgehellt, oft in einer gelborangen Färbung und man sieht nur die hellsten Sterne. Die Blickrichtung geht nach Westen, wo das Sommerdreieck zu sehen ist.


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Der Sternenhimmel im Zentrum einer Stadt z. B. in Kiel
Blickrichtung nach Westen Anfang Oktober
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© Mario Lehwald


Die zweite Grafik zeigt den gleichen Sternenhimmel, nur am Stadtrand. Der Himmel ist hier schon deutlich dunkler und man erkennt etwas schwächere Sterne sowie andeutungsweise das Band der Milchstraße, das schräge durch das Sommerdreieck verläuft. Dieser Anblick entspricht dem an der Sternwarte Kronshagen.


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Der Sternenhimmel am Stadtrand z. B. in Kronshagen
Blickrichtung nach Westen Anfang Oktober
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© Mario Lehwald


Die dritte Grafik zeigt wieder den gleichen Sternenhimmel, wie er bei einem exzellent klarem Himmel ohne Mondschein weit von jeder Stadt (60 Kilometer und mehr) draußen auf dem Land erscheint. Die Pracht ist nicht zu übersehen! Zahllose Sterne funkeln am dunklem Firnament und schimmernd zieht sich das Band der Milchstraße durch das Sommerdreieck.


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Der Sternenhimmel auf dem Land z. B. in den Hüttener Bergen
Blickrichtung nach Westen Anfang Oktober
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© Mario Lehwald


Es ist nur logisch, daß unter einem solch prächtigem Landhimmel auch die Objekte im Teleskop sehr viel eindrucksvoller erscheinen. Besonders schwache Galaxien, die man selbst mit einem größeren Teleskop in der Stadt kaum sieht, weil der Himmel dort viel zu hell ist und der Kontrast zu den sehr schwachen Galaxienfleckchen verloren geht, sieht man unter einem dunklen Landhimmel schon in kleineren Teleskopen! Die Himmelsqualität hat daher einen großen Einfluß auf die Abbildungen im Teleskop. Nur bei wirklich dunklem Himmel ist ein Teleskop in der Lage, sein Leistungsvermögen auch voll auszuschöpfen.



Skybeamer

Eine andere Sache sind die sogenannten Skybeamer. Hier handelt es sich um Geräte, die einen oder mehrere Lichtstrahlen in den Himmel richten. Meist bewegen sich diese Strahlen auch. Diese in den Himmel gerichteten Lichtstrahlen sind noch in mehr als 20 Kilometer Entfernung von ihrem Standort zu sehen. Besonders länger belichtete Fotos vom nächtlichen Sternenhimmel, wie man sie in den 80er Jahren noch machen konnte, werden dadurch völlig versaut.

Nach der Landesbauordnung (LBO) handelt es sich bei festinstallierten Skybeamern um bauliche Werbeanlagen, welche zum Betrieb erstmal einer Genehmigung bedürfen, also genehmigungspflichtig sind. Allerdings überschreiten diese Werbeanlagen die zulässigen Abmessungen bei weitem, da das Gerät und der Strahl als eine Einheit zu sehen sind. Auch darf der Himmel nicht als kostenlose Werbefläche mißbraucht werden. Sofern es sich um festinstallierte Geräte handelt, sind diese damit gar nicht genehmigungsfähig. Hierzu gibt es auch Gerichtsurteile in denen Skybeamer verboten worden sind z. B. Nr. 8 A 11217 / 02.OVG oder Az.: 8 A 11286 / 02.OVG.



Schützt den Sternenhimmel!

Ganz langsam setzt sich heute das Bewußtsein durch, daß auch der Sternenhimmel als Weltkulturerbe und als Teil der Natur genau wie diese schützenswert ist. In einigen Ländern gibt es bereits Gesetze, die nachts überflüssige Beleuchtung verbieten.

Auch der außergewöhnliche Nachthimmel im Osten Andalusiens steht jetzt unter gesetzlichem Schutz. Eine 3788 km2 große Zone um das Gebiet des Observatoriums Calar Alto wurde gesetzlich zur Lichtschutzzone erklärt. Beleuchtungsanlagen innerhalb dieser Zone müssen bestimmte Vorschriften einhalten. Dadurch soll die Zunahme der Lichtverschmutzung in diesem Gebiet gestoppt und sogar rückgängig gemacht werden.

Mehr unter gibt es unter www.lichtverschmutzung.de


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Der Sternenhimmel auf dem Aschberg-Frühjahrs-Teleskoptreffen im April 2017
Fotomontage mit Sternenhimmel aus Stellarium
© Mario Lehwald

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