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Auf dem Dach der neuen Fachhochschule auf dem Ostufer in Kiel-Dietrichsdorf, Sokratesplatz 2, befindet sich seit Mitte der 90er Jahre eine Sternwarte, die mit einem 20-cm-Schär-Refraktor ausgestattet ist. Gleichzeitig ist dort auch ein Raum für Vorträge o. ä. vorhanden. Mehr zur Sternwarte im folgenden Artikel.
Auf dem Dach der Kieler Fachhochschule bestand bereits seit den 60er Jahren eine Sternwarte. Sie diente unter anderem der Durchführung öffentlicher Beobachtungsabende der Kieler GvA-Gruppe, bis sie 1988 im Rahmen einer Gebäudesanierung demontiert wurde und danach nicht wieder aufgebaut werden konnte.
Zur Zeit ziehen die einzelnen
Fachbereiche der Fachhochschule nach und nach auf einen neuen Campus in
Dietrichsdorf am Ostufer der Kieler Förde um. Auf dem höchsten der dortigen
Gebäude wurde nun eine neue Sternwarte eingerichtet. Im obersten, achten Stockwerk
steht neben einem Büroraum und einer Küche ein Seminarraum für Vorträge
und andere öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung. Er bietet etwa 60
Sitzplätze und ist mit einem Overhead-, einem Dia- und einem Videoprojektor
ausgestattet. Über dem achten Stockwerk befindet sich eine Dachterrasse, von der
aus man eine wunderbare Aussicht über die Kieler Förde auf die Hafenanlagen
und die Innenstadt genießen kann. Auf dieser Dachterrasse steht die 4 Meter
durchmessende Kunststoffkuppel, in der das Teleskop der Sternwarte montiert ist. Es handelt
sich um einen Schaer-Refraktor mit 200mm Öffnung und 3 Meter Brennweite. Dieser ist auf
einer Säule montiert, die nicht mit dem Kuppelboden oder dem der Dachterrasse in
Verbindung steht. So soll vermieden werden, daß sich durch Bewegung hervorgerufene
Schwingungen auf das Teleskop übertragen. Die Achsen der Montierung sind mit digitalen
Teilkreisen ausgestattet; an weiterem Zubehör stehen unter anderem ein Objektivfilter
zur Sonnenbeobachtung, ein Laptop und eine Videokamera zur Verfügung. Das Bild der
Videokamera läßt sich in den Seminarraum übertragen.
Die Sternwarte wird vom Institut für Physik und allgemeine Elektrotechnik des Fachbereichs Elektrotechnik der Fachhochschule verwaltet; Leiter ist Dr. Gerhard Waller. Er rief Anfang dieses Jahres eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben, deren Ziel die Durchführung von Beobachtungen und öffentlichen Veranstaltungen sowie die weitere Gestaltung des Sternwartenbetriebs ist. An dieser Arbeitsgemeinschaft sind Studenten und Mitarbeiter der Fachhochschule, Mitarbeiter des Planetariums der Fachhochschule Kiel sowie Mitglieder der Kieler GvA-Gruppe beteiligt. In zweiwöchentlichem Rhytmus fanden Treffen dieser Gruppe statt, bei denen es vor allem um die Inbetriebnahme der Ausstattung und die Vorbereitung einer öffentlichen Einweihung der Sternwarte ging.
Die Kuppel auf dem Dach der Fachhochschule Kiel
Ein erster Beobachtungstest des Teleskops war, unter anderem wegen des anhaltend schlechten Wetters, erst im Mai möglich. Dabei fiel zunächst der störende Einfluß der Beleuchtung des umliegenden Hafengeländes sowie eines benachbarten Kraftwerks auf. Der Anblick einiger bekannter Objekte wie M57 und M13, aber auch der Supernova 1998bu in M96, bot aber dennoch ein überzeugendes Bild der Leistung des Fernrohrs. Seine wahren, sehr beeindruckenden Fähigkeiten offenbarte es aber erst vor kurzem bei einem Blick auf die Planeten am Morgenhimmel.
Die Kuppel auf dem Dach der Fachhochschule Kiel
Beginnend im Oktober werden regelmäßige öffentliche Beobachtungsabende stattfinden, nämlich an jedem zweiten und vierten Dienstag im Monat. Darüber hinaus wird die GvA einige ihrer Vorträge nun in der neuen Sternwarte anbieten. Des weiteren ist an eine Zusammenarbeit mit dem Planetarium der Fachhochschule Kiel gedacht. Dieses befindet sich allerdings in der Innenstadt, und ein Umzug auf den neuen FH-Campus ist zwar geplant, hat aber noch keine konkrete Form angenommen. Daher sind gemeinsam durchgeführte Veranstaltungen leider vorerst nicht möglich.
Der 20 cm Schär-Refraktor in der Sternwarte
Neben den öffentlichen Veranstaltungen ist eine private Nutzung der Sternwarte durch die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft geplant. Eine Möglichkeit hierzu wäre zum Beispiel die Anfertigung und Verwertung von Videoaufnahmen der Planeten sowie von Mond und Sonne. Hierzu sind allerdings noch einige Schwierigkeiten zu überwinden.
Zusammenfassend gehe ich davon aus, daß die neue Sternwarte eine wertvolle Ergänzung der bisherigen astronomischen Aktivitäten in Kiel sein wird.
© Björn Voß, 1998
Weitere Infos gibt es auf der Homepage der Sternwarte der FH-Kiel