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Die Kieler Gruppe ist eine Ortsgruppe der GvA Hamburg. Die Mitglieder kommen aus Kiel und der Umgebung. Wir haben in Kronshagen zwei Sternwarten und dazu gibt es auf dem Dach der Fachhochschule auf dem Ostufer noch eine weitere Sternwarte. Im Winterhalbjahr von Oktober bis März bieten wir in den beiden Sternwarten in Kronshagen Beobachtungsabende an. Bis zum Jahr 2005 boten wir zusätzlich Vorträge über astronomische Themen für die interessierte Öffentlichkeit an. Leider steht uns zur Zeit dazu kein Raum zur Verfügung, so das wir vorerst keine Vorträge anbieten können.
Die GvA Gruppe Kiel existiert schon seit den 70er Jahren. 1998 schrieb Stefan Jordan, langjähriges Mitglied der GvA Gruppe Kiel der auch die Zeit der Gründung miterlebt hatte, einen Artikel für unsere Vereinszeitschrift der "Sternkieker".
Ein Artikel für unsere Vereinszeitschrift "Sternkieker" (4/98)
Einer der Kondensationskeime für die Bildung einer Kieler Gruppe der GvA war ein Fernrohr: Das Newton-Teleskop mit 225 mm Spiegeldurchmesser und einer Brennweite von 1780 mm, welches im Jahre 1973 seit mehreren Jahren unbenutzt in einer Kuppel auf dem Dach der Fachhochschule für Technik in Kiel an der Ecke Knooper Weg und Legienstraße stand.
Eberhard Riedel, der später mehr als ein Dutzend Jahre Leiter Kieler Gruppe der GvA war, wurde auf das unbenutzte Fernrohr aufmerksam und erhielt von der Fachhochschule die Genehmigung, sich darum zu kümmern. Zusammen mit Dirk Arnhold und Bodo Wiebers machte er sich an die Arbeit, das Gerät und die Kuppel wieder in Stand zu setzen. Durch die jahrelange Nichtbenutzung waren Kuppelwand und Instrument stark vom Rost angegriffen. Im Sternkieker 4/1974 kann man die Einzelheiten der umfangreichen Sanierungsarbeiten nachlesen. In diesem Artikel von Bodo Wiebers ist auch zum ersten Mal die Rede von der Kieler GvA-Gruppe um den damaligen Planetariumsleiter Werner Mewes. Auch im Adressenteil des Sternkiekers tauchte die GvA-Gruppe Kiel damals bereits auf.
Der langjährige Leiter der Kieler Gruppe, Eberhard Riedel, war einer der ersten
in Deutschland, der mit Hilfe von selbstgeschriebenen Computerprogrammen die Position
der Himmelskörper auf Heimcomputern (hier mit zwei Apple II kompatiblen Computern)
© Hubert Paulus
Ich selber hatte zwar 1972 im Alter von zwölf Jahren einen Volkshochschulkurs (übrigens zusammen mit Bodo Wiebers) besucht und war danach auch in der sogenannten »Expertenrunde« des Planetariums tätig. Aber da ich meinen astronomischen Schwerpunkt noch in der Astro-AG der Hebbelschule in Kiel hatte (zu der ich ca. 1971 stieß, nachdem Eberhard Riedel diese als Unterprimaner ca. 1971 einige Jahre nach dem Weggang von Herrn Mewes von dieser Schule wieder ins Leben gerufen hatte) bin ich erst am 1.1.1978 offiziell GvA-Mitglied geworden. Bis Ende 1977 hatte die GvA-Gruppe bereits 20 Mitglieder. Die hauptsächlichen Aktivitäten waren Beobachtungen in der Sternwarte und Treffen mit Vorträgen über Themen der theoretischen und praktischen Astronomie. Es gab sogar vor den eigentlichen Treffen Sonderveranstaltungen, wie z.B. ein von Norbert Zacharias gehaltener Kurs über Sphärische Trigonometrie. Die Veranstaltungen fanden zunächst vierzehntäglich und ab Mitte 1977 wöchentlich statt.
Mit dieser Sternwarte auf der Fachhochschule für Technik fing alles an
© Bodo Wiebers
Es bildeten sich kleine Arbeitsgruppen, die sich zum Beispiel mit der Astrofotografie (unter Anleitung von Bodo Wiebers), der Durchmesserbestimmung der Jupitermonde (nach einer von Norbert Zacharias entwickelten Methode, siehe Sternkieker 3/77) beschäftigten.
Schon damals gehörten zur Kieler Gruppe nicht nur Sternfreunde aus der Landeshauptstadt selbst, sondern auch Amateure aus anderen Teilen Schleswig-Holsteins, vor allem aus Eckernförde und Lübeck.
Seit 1979 begann die Kieler GvA, sich verstärkt der Öffentlichkeitsarbeit zu widmen, indem sie alle vierzehn Tage einen »Beobachtungsabend« im Schrevenpark angeboten hat. Besonders Interessierte wurden dann für die darauf folgende Woche in die Sternwarte der FHS selbst eingeladen. Einige Zeit später fanden dann alle Beobachtungsabende für die Öffentlichkeit in der Sternwarte statt. Der Andrang war schon damals ziemlich groß. Nach meiner Erinnerung kamen regelmäßig zwischen 10 und 30 Besucher.
Ein weiterer Höhepunkt für die Kieler Sternfreunde war 1979 der Bau einer Volkssternwarte auf dem Gelände der Realschule Kronshagen durch Hubert Paulus. Er hatte die Idee, seinen im Jahr zuvor fertiggestellten 15cm-Refraktor der Allgemeinheit zugänglich und diese Idee der Gemeinde Kronshagen schmackhaft zu machen. Die Kosten für die Gemeinde Kronshagen wurden aber ganz wesentlich dadurch reduziert, daß auch die Kuppel von 3,70 m Durchmesser von Hubert Paulus im Eigenbau hergestellt wurde.
Diese Sternwarte stellte sich auch als Rettung heraus, als die alte Sternwarte auf der FHS 1989 abgebaut wurde. Die bis dahin städtische Fachhochschule war inzwischen in den Besitz des Landes übergegangen. Eine Sanierung der Räumlichkeiten sollte einhergehen mit dem Wiederaufbau eines Schrägdaches, welches das Gebäude schon bis zum Kriege geziert hatte. Es bestand jedoch Einvernehmen mit der Fachhochschule darüber, daß auf dem neuen Dach an gleicher Stelle eine neue Sternwarte errichtet werden sollte. Eine Plattform entstand, und auch ein Teleskop (ein 20cm-Schaer-Refraktor) sowie eine Kuppel (beides von Firma Baader) wurden gekauft. Eine wesentliche Verbesserung der Beobachtungsmöglichkeiten deuteten sich an, bis ..., ja, bis ein freundlicher Anwohner in der Legienstraße nachwies, daß das Schrägdach etwas höher gebaut worden war, als es vor dem Kriege war. Möglicherweise könnte ihm das ein paar Minuten Sonne täglich rauben, und so erreichte er zweimal eine einstweilige Verfügung gegen den Weiterbau. Insgesamt ruhten die Baumaßnahmen zwei bis drei Jahre. Schließlich endete der Rechtsstreit in einem Vergleich --- mit der Folge, daß die Sternwarte auf dem Gebäude nicht gebaut wurde, deren Teleskop und Kuppel längst bezahlt bei Fa. Baader in München lagerten.
Wir wichen mit unseren Beobachtungsabenden wieder in den nahegelegenen Schrevenpark aus, ganz sicher keine optimale Lösung; ein Vorteil war höchstens, daß im Laufe eines Abends auch zufällige Spaziergänger einen Blick durch unsere mitgebrachten Fernrohre werfen konnten. Zu besonderen Anlassen, wie etwa einer Mondfinsternis kamen, schon einmal 200 Personen zusammen.
Dennoch waren Beobachtungsabende in einer Sternwarte eine bessere Lösung. Nach einer Übergangszeit, wo wir sowohl in Kronshagen als auch im Schrevenpark Beobachtungsabende anboten, haben wir diese jetzt vollständig in die dortige Sternwarte verlagert. Der Nachteil, daß Kronshagen etwas weniger zentral gelegen ist, wurde durch den deutlich besseren Sternhimmel mehr als wett gemacht. Außerdem bietet der von Hubert Paulus aufgebaute Astro-Raum mit zahlreichen Modellen und einem »Regenschirm-Planetarium« auch einen Anreiz bei schlechtem Wetter. Besondere Höhepunkte der letzten Jahre stellten natürlich die zahlreichen Extra-Veranstaltungen zur Beobachtung der Einschlage des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf dem Jupiter und natürlich der Massenandrang wahrend der Sichtbarkeit der Kometen Hyakutake und Hale-Bopp dar.
Zu besonderen Anlässen haben wir in Kiel natürlich auch Beobachtungen an anderen Orten organisiert, wie z.B. Sonnenfinsternisbeobachtungen am Ufer von Laboe oder an der Uferpromenade der Kiellinie.
Auch im Bereich der Vortragsveranstaltungen entwickelte sich die GvA im Bereich Öffentlichkeitsarbeit immer weiter. Zwar hatten wir von Beginn an immer mal wieder interessierte Gäste, die sich für ein bestimmtes Thema unserer Referate interessierten. Unsere regelmäßigen Vortragsangebote auch für die Öffentlichkeit starteten wir erst richtig mit dem (Nicht-)Auftauchen des Kometen Halley 1985. Aus diesem Anlaß boten wir öffentliche Vortrage an. Im Laufe der Jahre kam es dann soweit, daß wir inzwischen alle unsere Vortrage öffentlich anbieten und auch ein beachtliches Publikum erreichen (15-120 Besucher). Dies ist natürlich nur dadurch möglich, daß sich neben Kieler GvA-Mitgliedern auch immer wieder »Auswärtige« zu Vortragen bereit fanden: Sternfreunde aus Hamburg, Lübeck, Stade oder Aabenraa in Dänemark oder Kollegen von mir aus der Kieler Universität. Zusammen mit den Beobachtungsabenden hat dieses Angebot vor allem in den letzten zwei bis drei Jahren dazu geführt, daß immer mehr »Gäste« auch Mitglied in der GvA geworden sind (zur Zeit gibt es etwa 75 GvA-Mitglieder aus Kiel und Umgebung), darunter auch viele aktive.
So anschaulich können öffentliche Vorträge bei der GvA in Kiel sein: Bernd
Schatzmann (rechts) aus Aabenraa in Dänemark macht am 30. April 1997 die Bahn des
"Marathon-Kometen" Hale-Bopp begreiflich
© Bernd Freytag
Zum Interesse an der GvA haben vielleicht auch eine Reihe von Präsentationen der Kieler Gruppe geführt (z.T. zusammen mit dem Kieler Planetarium), z. B. mehrere Ausstellungen in Apotheken oder Infotische wahrend des »Kieler Umschlag«, einem Stadtfest im Februar.
Diese aktiven Mitglieder werden wir auch brauchen, denn es gibt einige neue und erfreuliche Neuigkeiten: Doch eine neue Sternwarte der Fachhochschule und eine zweite Sternwarte in Kronshagen!
Die verschiedenen Bereiche der Fachhochschule in Kiel werden nach und nach auf einen neuen Campus auf dem Ostufer im Kieler Stadtteil Dietrichsdorf verlagert. Auf dem Dach eines sanierten Hochhauses ist vor drei Jahren die viele Jahre zwischengelagerte Sternwarte aufgebaut worden (siehe dazu auch den Artikel von Björn Voß im Sternkieker 4/98).
Inzwischen sind die Baumaßnahmen am Gebäude abgeschlossen worden, und auch erhebliche Probleme mit der Schwingungsübertragung zur Sternwarte sind deutlich vermindert worden.
Am Mittwoch, dem 29. April 1998, erfolgte dann auch der erste Vortrag in dem unterhalb der Sternwarte gelegenen Vortragsraum. Mein Kollege Dr. Christian Theis berichtete über »Galaxien auf Kollisionskurs«. Dabei bewahrte sich die "Multimediaausstattung" des Hörsaals bei der Präsentation der Computeranimationen. Im Anschluß an den Vortrag gab es einen Sektempfang und eine Führung in der Sternwarte.
Ein besonderer Glücksfall ist es, daß die Herren Waller und Weitzel vom Fachbereich Elektrotechnik der FHS sehr an einem erfolgreichen Betrieb der Sternwarte interessiert sind. Prof. Gerhard Waller ist Leiter der neuen Sternwarte und inzwischen selbst GvA-Mitglied. Zusammen mit uns und einem eigens gebildeten Arbeitskreis sollen im vierten Quartal alle 14 Tage dienstags Beobachtungsabende in der neuen Sternwarte stattfinden, und auch Vortrage, bei denen die modernen Präsentationstechniken genutzt werden können, sollen in dem dortigen Hörsaal stattfinden (siehe Programm der Kieler GvA). Auch Videoübertragungen aus der Sternwarte direkt in den Hörsaal sollen in Zukunft möglich sein.
Damit nicht genug. Auch die Sternwarte Kronshagen befindet sich im Aufwind: Das Kieler GvA-Mitglied Prof. Wilfried de Decker hat uns und der Gemeinde Kronshagen ein neues Fernrohr, einen 20cm Schiefspiegler, und einen Kuppelbau gestiftet. Neben dieser großzügigen Spende ist es auch der vielen Freizeitarbeit mehrerer GvA-Mitglieder zu verdanken, daß inzwischen auch die zweite Kronshagener Sternwarte einsatzbereit ist. Damit haben sich sowohl die Möglichkeiten der eigenen Beobachtungen der Amateurastronomen als auch das Angebot für die Öffentlichkeit beträchtlich erweitert.
Zusammen mit dem Kieler Planetarium, welches trotz nur geringer personeller Ausstattung durch das Engagement der aktiven Mitglieder ein beachtliches Programm auf die Beine stellt, ist die Kieler Gruppe der GvA die richtige Adresse, für alle, die sich in Kiel und Umgebung für Astronomie interessieren.
Natürlich hat die starke Orientierung in Richtung Öffentlichkeitsarbeit auch ihre Probleme, weil vielleicht Mitglieder, die stärker an richtigen Beobachtungsprogrammen interessiert sind, dabei zu kurz kommen. Kleinere Gruppen, die sich mit der Beobachtung von Sternbedeckungen durch Kleinplaneten oder der Astrofotografie beschäftigen, hat es zwar immer wieder gegeben. Ein längeres Eigenleben, wie die Sektionen in Hamburg, haben diese aber wegen der geringen Zahl der Interessierten nie gehabt. Höchstens für das Gebiet der CCD- und Videotechnik scheinen sich in letzter Zeit mehr und mehr Mitglieder zu interessieren. Aber die gestiegene Zahl von aktiven Mitgliedern und die neuen Beobachtungsmöglichkeiten werden vielleicht auch die amateurastronomischen Aktivitäten wieder erhöhen.
Der Komet Hale-Bopp lockte viele Interessierte und das Fernsehen zu unseren Veranstaltungen
© Hubert Paulus
Ganz sicher ist dies ein sehr subjektiver Rückblick auf die Aktivitäten der Kieler Gruppe und ich habe bestimmt das ein oder andere wichtige Ereignisse oder Personen vergessen. Insgesamt befindet sich die Kieler Gruppe der GvA nach meinem Eindruck auf einem sehr erfolgreichen Weg, und wir haben die Hoffnung, daß gerade die neuen technischen Möglichkeiten dazu führen, daß noch mehr an der Himmelskunde Interessierte bei uns mitarbeiten wollen.
© Stefan Jordan, 1998
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